Leere Speicher, volle Märkte: Das Gasjahr 2026 im Spannungsfeld
Aktuelle Füllstände der Gasspeicher und Prognose für das Saisonende 2025/26
Die Füllstände der deutschen Gasspeicher sind im derzeitigen Winter 2025/26 deutlich gesunken. Mitte Februar 2026 lagen sie bundesweit im Schnitt bei nur noch rund 22 %. Hauptursache ist der hohe Verbrauch während einer kalten Heizperiode. Zusätzlich fehlten im Sommer zuvor wirtschaftliche Anreize zur Einspeicherung, da die Sommerpreise ungewöhnlich hoch waren, sodass die Gasspeicher am Ende der Einspeicherperiode erheblich unterdurchschnittlich gefüllt waren.
Sollte die Kälte im Februar/März 2026 anhalten, könnten die Speicher, derzeitigen Prognosen zu Folge, bis zum Ende des Winters sogar auf etwa 10 % fallen. Das würde wahrscheinlich den Spotmarkt preislich belasten und die Ausgangslage für die Wiederbefüllung im Sommer für den Winter 2026/27 deutlich verschärfen.
Droht eine Gasmangellage in Deutschland?
Eine akute Mangellage besteht derzeit noch nicht. Deutschland hat seine Bezugsquellen diversifiziert: Pipelinegas, insbesondere aus Norwegen, sowie zusätzliche LNG-Importe über neue Terminals und das europäische Verbundnetz/Gasaustausch sichern neben den deutschen Gasspeichern die aktuelle Gasversorgung. Die Bundesnetzagentur als oberste Überwachungsbehörde bewertet die Versorgung als stabil. Dennoch warnen vermehrt Experten: Niedrige Speicherstände erhöhen das Risiko bei einem langanhaltenden Kälteeinbruch signifikant. Vieles hängt jetzt von der weiteren Temperaturentwicklung in Europa ab.
Ausblick: Wie entwickeln sich die Gaspreise im Sommer 2026?
Der Sommer 2026 wird von zwei gegenläufigen Kräften geprägt sein: hohe Nachfrage zur Speicherbefüllung und wachsendem globalen Angebot.
Wichtige Preisbildungsfaktoren:
- Die stark geleerten Speicher müssen bis zur nächsten Heizperiode wieder gefüllt werden.
- Geringere Nachfrage aus der Industrie auf Grund der Wirtschaftsflaute
- Mehr LNG am Weltmarkt: 2026 wird eine deutliche Ausweitung der LNG-Produktionskapazitäten erwartet. Dies würde den Wettbewerb erhöhen und folglich preismindernd wirken
- Unsicherheitsfaktor geopolitische Krisen
- Ab 2027 soll zudem kein russisches Erdgas mehr in die EU importiert werden, was dann durch andere Bezugsquellen zu ersetzen wäre
Wir schätzen kurzfristig zwar das Preisniveau deutlich niedriger ein als zum Gasjahr 2025, allerdings wird die Volatilität sehr hoch sein. Für Unternehmen bedeutet das, den Einkauf noch mehr strategisch auszurichten, um die Chancen/Risiken bei der zukünftigen Gasbeschaffung enger zu managen.
Fazit: Ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Marktkräfte
2026 dürfte ein „Gleichgewichtsjahr“ werden. Die starke Nachfrage zur Wiederbefüllung der Gasspeicher stützt die Preise, während das wachsende LNG-Angebot sie bremst. Eine erneute extreme Preisexplosion gilt als unwahrscheinlich, ebenso ein massiver Preisverfall.
Das wahrscheinlichste Szenario ist daher keine extreme Preisbewegung in eine der beiden Richtungen, sondern eine Stabilisierung der Gaspreise mit volatilen Phasen. Die beiden starken Gegenpole – der hohe Bedarf und das verbesserte Angebot – neutralisieren sich langfristig gegenseitig.
Exkurs:
Moral Hazard: Spekuliert der Markt auf den Staat?
Die staatliche Garantie zur Sicherung der Speicherfüllstände schafft neue Anreize. Theoretisch könnten Marktteilnehmer darauf spekulieren, dass der Staat im Sommer 2026 eingreifen muss.
Das mögliche Szenario:
- Händler verzichten auf wirtschaftlich unattraktive Einspeicherungen.
- Speicherstände bleiben hinter den gesetzlichen Zielen zurück.
- Der Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe (THE) muss Gas beschaffen.
- Die zusätzliche Nachfrage treibt Preise – wovon auch abwartende Akteure profitieren.
Zwar existieren Gegenmaßnahmen wie „Use-it-or-lose-it“-Regeln, doch das Sicherheitsnetz wirkt preisstützend. Nur passives Abwarten bleibt daher riskant.
Ist ein staatlicher Eingriff wahrscheinlich? Ja, aber nur als „letzte Rettung“.
Ein Eingriff gilt als wahrscheinlich, wenn Prognosen zeigen, dass gesetzliche Füllziele nicht erreicht werden. Für 2026 gelten gemäß GasSpFüllstV, die mit Ablauf des 31. März 2027 außer Kraft tritt, folgende Zielwerte:
- ca. 70 % zum 1. November (Kavernen- und Porenspeicher)
- ca. 30 % zum 1. Februar (Kavernen- und Porenspeicher)
Aktuell wird auch über eine strategische Gasreserve, analog zum Ölmarkt, diskutiert. Dies könnte ebenfalls die Nachfrageseite stärken.