Die neue Gasumlage schlägt mit 2,419 Ct/kWh zu Buche

Nun ist es amtlich. Die geplant Gasumlage wird jetzt für alle deutschen Gaskunden, also auch für die Industrie und den Einzelhandel, ab 01.10.2022 verbindlich. Gestern wurde auch die Höhe der Gasumlage von der THE (Trading Hub Europe) im Namen und im Auftrag der Bundes-regierung bekanntgegeben. Sie beträgt im ersten Schritt 24,19 €/MWh netto. Die Hoffnung der privaten Endverbraucher, dass die neue Gasum-lage eine Mehrwertsteuerbefreiung erhalten könnte, hat sich leider kurzfristig zerschlagen. Die entsprechende Anfrage der Regierung an die Europäische Komission wurde heute abgelehnt.

Dies bedeutet beispielhaft für einen Kunden mit einem Erdgasjahresverbrauch von 10 GWh p. a. eine Mehrbelastung von ca. 241.900 € p.a..

Der Beschluss sieht derzeitig vor, dass die Umlage bis zum 1. April 2024 erhoben werden soll. Sie wird alle drei Monate überprüft und kann ggf. in beide Richtungen von der Preishöhe her angepasst werden.

Das Wirtschaftsministerium sieht die Umlage als Folge des russischen Angriffskrieges in der Ukraine und den durch die EU verhängten Wirt-schaftssanktionen gegenüber Russland. Diese Umstände haben die angespannte Lage an den Energiemärkten zusätzlich verschärft. Über die Umlage sollen insbesondere systemrelevante Energieunternehmen gestützt werden, die den Ausfall der russischen Gaslieferungen zu deutlich gestiegenen Kosten kompensieren müssen.

Anmerkungen durch Faktor 3E

Sollte sich der Gaskonflikt mit Russland verschärfen, z. B. durch eine weitere Gaslieferreduktion durch Russland, ist damit zu rechnen, dass die Gasumlage deutlich höher ausfallen wird. Umgekehrt könnte in den Sommermonaten die Gasumlage sogar Richtung Null gehen, wenn entsprech-end andere Gaslieferungen aktiviert werden können. Dies wäre insbesondere für Industriekunden eine Entlastung, die neben dem Heizgas auch das Gas für den Produktionsprozess einsetzen. Aus Sicht eines vorsichtigen Kaufmanns raten wir Ihnen erst einmal die Umlage in Gänze ab Oktober bis 1. April 2024 in den Budgetplanungen zu berücksichtigen.

Wahrscheinlich werden bei weitem nicht alle Energieversorger es schaffen, die Umlage pünktlich zum 1. Oktober 2022 in Rechnung zu stellen. In diesem Fällen, sollten sie entsprechende Rückstellungen in Ihrem Hause bilden.

Eine weitere Umlage befindet sich bereits in den Startlöchern

Ferner steht auch noch eine weitere Abgabe, die Gasspeicherumlage, nach § 35e EnWG im Raum. Resultierend aus den in diesem Jahr unge-wöhnlich niedrigen Gasvorräten und der Unsicherheit, ob und wie viel Gas aus Russland noch Deutschland erreichen wird, hatte der Gesetzgeber im Frühjahr die §§ 35a EnWG ff. geschaffen und erstmals verbindliche Vorgaben für die Speicherbefüllung gemacht. Die THE als Marktgebiets-verantwortliche ist regierungsseitig dafür verantwortlich gemacht worden, dass die Speichervorgaben eingehalten werden.

Die neue Umlage wird – wie die Gasumlage auch – nicht direkt den Letztverbrauchern in Rechnung gestellt, sondern über die Bilanzkreisver-antwortlichen vertraglich an den Endkunden gewälzt. Die Gasbezieher werden daher neben den immensen Kostensteigerungen in der Beschaff-ung demnächst auch noch mit zwei neuen Umlagen auf ihrer Gasrechnung konfrontiert werden. Die Höhe der Gasspeicherumlage ist dabei aktuell noch nicht bekannt, wird sich aber wohl in der Höhe deutlich unter der neuen Gasumlage befinden. Die neue Gasspeicherumlage soll bis zum 1. April 2025 begrenzt sein.

Generelles

An dieser Stelle weisen wir ausdrücklich nochmals darauf hin, dass die Gaspreise an der Börse ein beängstigendes Preisniveau erreicht haben. Der „reine“ Gaspreis, also ohne Netzentgelt, Steuern & Abgaben, ist aktuell für das Jahr 2023 in den letzten 12 Monaten um ca. 730 % und inkl. Gasumlage sogar um ca. 815 % angestiegen (Stand Mitte August). Gebot der Stunde kann deshalb nur sein, zu prüfen, wie und wo man seinen Gaskonsum reduzieren kann.